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Geburt

Ich sehe, verschwommen nur, es strengt mich an — alles ist komisch auf dem Kopf — ein grosses Ungeheuer, das sich über mich beugt und irgendwie erleichtert wirkt.

Ich bin erschöpft, so müde. Lasst mich doch in Ruhe! Aber nein, das Ungeheuer macht noch was an mir. Ich friere. Ich heule. Warum lässt man mich nicht schlafen? Ich will Wärme! Mein ganzer Körper schreit danach! Ich bin so allein; und ich kann nichts gegen diese Kälte tun. 

Ich schwebe in der Luft, fühle mich irgendwie komisch, eingeengt, etwas stimmt nicht. Da ist eine Figur, für mich nur schwach sichtbar — immer noch alles verkehrt. Sie ist weit weg, sie weint. Sie streckt die Hände aus (nach mir?). Ich will zu ihr. meine Mutter Aber nein, ich kann nicht! Ich kann mich gar nicht bewegen! Und der Abstand wird trotz meiner — psychischen — Anstrengung auch nicht kleiner! Jetzt weine ich auch. Irgendwie habe ich das Gefühl, als gehöre ich zu dieser Figur mit den ausgestreckten Händen. Warum darf ich denn nicht dorthin?!

Erst viel später, als Erwachsene, erfahre ich, dass man mich meiner Mutter gleich weggenommen hatte. Die Gefahr einer Ansteckung sei zu hoch gewesen! Es sei sowieso ein Wunder gewesen, dass ich überhaupt unbeschadet und vollkommen gesund auf die Welt gekommen sei. Drei lange Jahre, bis zu ihrem Tod, habe meine Mutter gehofft, sie könne ihre Tuberkulose überwinden, werde doch noch gesund und dürfe mich bald wieder zu sich nehmen.

Hat sie von ihrer Krankheit während der Schwangerschaft gewusst oder etwa doch nicht? Wusste sie, welches Risiko sie mit dieser Schwangerschaft einging? Sie hätte mich abtreiben und ihr eigenes Leben vielleicht damit retten können! So hatte sie nicht viel Chance. Bis zum Ende der Schwangerschaft war die Krankheit zu weit fortgeschritten.

Manche mögen dieses Verhalten als leichtfertig bezeichnen. War es das? Vielleicht; sie hätte auch mich anstecken können, noch vor der Geburt! War es Schicksal? Vielleicht ist von beiden Seiten was Wahres daran. Ich jedenfalls bin ihr von Herzen dankbar, dass sie mich auf die Welt gebracht hat. Ich lebe gern und geniesse mein Leben sehr. Und das Schicksal hat mir liebevolle Adoptiveltern und eine tolle Familie beschert. Einziger Wermutstropfen ist, dass meine leibliche Mutter nicht mehr mit mir sein durfte.

Andererseits: wäre ich nicht geboren worden, wüsste ich gar nicht, wie mein Leben geworden wäre. Dann könnte ich mir darüber gar keine Gedanken machen. 







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